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Hintergründe und Gedanken der Initiatoren
Seit 1994 sind wir tätig in der Beratung für Umweltfaktoren und dem Handel mit biologischen-
und naturheilkundlichen Produkten, bis 2006 mit dem eigenen Geschäft „PUR - Die BioDrogerie“
in unserer Heimatstadt Hannover.
Der Hauptgrund dafür, vorübergehend nach Peru zu gehen, lag in unserer beruflichen Tätigkeit
für den Export von Rohstoffen und Produkten für den ökologischen Handel in Deutschland,
sowie in der Förderung des aktiven Umweltschutzes vor Ort mit Technologien für die Sanierung
von Böden und Gewässern.
Durch unsere Reisen in die Erzeugerländer, durch Gespräche mit Kunden und Lieferanten
wurde in all den Jahren zuvor schon sehr deutlich, dass die meisten sich wenig Gedanken über
die Herkunft der Produkte machen und hier mehr Transparenz und Aufklärung notwendig wäre.
Insbesondere über die Lebensumstände der Menschen vor Ort.
Das in diesen Gebieten Armut existiert ist vielen Bewusst. So auch uns, als wir nach Peru
gingen.
Doch die Tragweite der Armut und deren komplexen Zusammenhänge haben sich uns erst hier
vor Ort erschlossen.
Piura ist die erste und bis heute eine der größten Agrikulturregionen Südamerikas, in der nach
fast 400 Jahren Kolonialgeschichte - nach wie vor – die meisten als Landarbeiter und Tagelöhner
arbeiten. Die großen Exportfirmen zahlen saisonalen Erntehelfern im Schnitt 12,00 Soles pro
Tag. Das sind umgerechnet 3,00 €, von denen sich auch hier keine Familie ernähren lässt.
Für viele von uns ist das Ausmaß der Armut nicht vorstellbar.
Ebenso nicht unvorstellbar ist, dass diese Menschen mit ihren Hütten im Sand –ohne Wasser
und Strom- überhaupt existieren können.
Zu Beginn des Jahres 2007 besuchte uns mein Vater, Gunter Hartung. Mit ihm gemeinsam
erkundeten wir weite Teile der Region bis ins Detail.
Als weltkundiger Journalist machte auch er sich Gedanken, welche Maßnahmen an
Unterstützung sinnvoll sein könnten für Gebiete dieser Art und Größe.
Eines war uns allen klar. Die Situation in den Departments Piura, Tumbes und Lambayeque mit
ihren Wüsten und dornendurchsetzten Savannen ist vergleichbar mit den trockenen und
landwirtschaftlich übernutzten Gebieten Afrikas.
Wenig später, im Juni 2007, entdeckten wir einen Neembaum im Stadtbereich von Piura. Diese
Baumart war uns gut bekannt, da Neem -Produkte ein fester Bestandteil unseres Sortiments im
Geschäft in Hannover waren und genau dieser Baum mit seinen vielen Nutzungsmöglichkeiten
die Lösung für viele globale Probleme ist.
Bauern - Projekte in Afrika haben in den letzten 25 Jahren mit über 60 Millionen Neembäumen
Sahara-Gebiete bepflanzt und somit für die Landbevölkerung lebenswerte Bedingungen
geschaffen.
Wir waren total begeistert. Hier wächst und gedeiht offensichtlich Neem!
Doch schnell kam die Frage nach der Herkunft des Baumes und wer hatte ihn hier eingepflanzt?
Unseren Nachforschungen nach zählten wir insgesamt 50 Neembäume im Stadtgebiet von
Piura, die aus zwei Quellen stammten:
Ein Bauingenieur, der 10 Jahre zuvor von einem indischen Agrikultur-Ingenieur ein paar Samen
erhalten hatte pflanzte die ersten Neembäume in Piura.
Wir hatten einige Gespräche mit der Familie dieses Mannes, der leider 5 Monate zuvor
verstorben war.
Die Bandbreite der Vorzüge des Neembaumes war ihm nicht bekannt, aber er verfolgte die Idee,
diesen anspruchslosen Baum in seine Bauvorhaben zur Begrünung einzusetzen.
Weitere Neembäume wurden von einer Dame aufgezogen, die 8 Jahre zuvor ein paar Samen
von einem Hindu erhalten hatte und damit ebenso einen Beitrag zur Begrünung des
Stadtgebietes beitragen wollte.
Mangels Möglichkeiten zur intensiven Vermehrung und der Unkenntnis über diesen Baum und
seine Vorzüge blieb es bei den wenigen Exemplaren.
So verhält es sich auch in universitären Kreisen mit dem Informationsfluss von wirklich
nützlichen Erkenntnissen und deren Umsetzung merkwürdig zäh.
Seit Beginn der 90er Jahre hat es vermehrt große und intensiv erforschte Publikationen über den
Neembaum gegeben. Ein großer Dank geht dabei vor allem an Prof. Schmutterer, der in seinem
fast 1000 Seiten starken
Werk „The Neem Tree“ überzeugende Forschungsergebnisse aus vielen Teilen der Welt
zusammen getragen hat.
Die Armutsbekämpfung in den Erzeugerländern ist nach Abschaffung der Sklaverei ein
komplexes Thema, folgt man den Aufrufen bekannter großer Organisationen. Es wirkt wie ein
Fass ohne Boden, was mal hier und dort mit Hilfsgütern wie Nahrungsmittel, Kleidung,
Medikamenten und Schulbildung versorgt wird.
In jüngster Vergangenheit hat die deutsche Bundesregierung ein 30.000 Hektar großes
Methanolprojekt mit
260 Mio. € unterstützt.
Der Biospritmarkt boomt und es ist löblich gedacht zur Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen in
der Agrarindustrie.
Der Landarbeiter jedoch hat davon kaum Vorteile im Hinblick auf der Verbesserung seiner
Lebenssituation.
Nach unseren jetzigen Erfahrungen vermissen wir an dieser Stelle die Ursachenbeleuchtung und
Definition von Armut, sowie strategische und grundsätzlich aufbauende Maßnahmen in Form von
Hilfe zur Selbsthilfe.
Letztendlich stellt sich als erstes die Frage, was sind die Existenzbedingungen für Leben?
Nur ein Blick in die Geschichte sollte genügen, um sich diese Frage zu beantworten.
Das Vorhandensein von Möglichkeiten in Form von Rohstoffen für Handwerk und Handel sind
die Grundlage aller Kulturen gewesen, deren Bauwerke als Zeugnisse teilweise bis in unsere
Zeit erhalten geblieben sind.
Wir sind der Meinung, dass Bäume Rohstoffe und damit Möglichkeiten schaffen. Sie sind die
Grundlage für die Ausbildung einer Kultur und das ist es, was diesen Gebieten durch
großflächige Rodungen genommen wurde und bis heute nicht ersetzt wurde.
Der Neembaum bietet dafür optimale und schnellstmögliche Ergebnisse.
Darüber hinaus haben wir hier erfahren und verstanden, dass uns langfristig gesehen nicht viel
Zeit bleibt diese Pläne umzusetzen.
Die Menschen in diesen Gebieten wissen heute sehr genau, wohin und in welcher Qualität der
Warenfluss ihrer Erzeugnisse geht.
Wer sich hier einmal als Tourist verlaufen hat wundert sich, dass es keinen genießbaren Kaffee
gibt, die Schokolade teurer ist als in Deutschland und das sonstige Angebote an Lebensmitteln
und Waren aus der Region für unsere Gewohnheiten sehr reduziert ausfallen. Zudem sind sie
genauso teuer, wie in einem deutschen Supermarkt.
Wir westlichen Staaten sollten jetzt anfangen, die Situation der Drittweltländer substantiell
massiv zu verbessern. Andernfalls werden wir schon in nächster Zukunft vermehrt mit einer
Landflucht auch in unsere Städte rechnen müssen.
Grundsätzlich möchten diese Menschen viel lieber in Ihrer Umgebung leben, doch haben sie aus
wirtschaftlichen Gründen oft keine andere Wahl und suchen ihr Glück in den Großstädten.
Wir müssen das System verstehen, von dem wir alle existentiell abhängig sind und wir sollten
uns davon trennen, aus einem falsch verstandenen Wohltätigkeitsdenken heraus zu handeln.
Denn die Konsumenten der Exportwaren sind letztendlich wir.
Für welche Art der Entwicklungshilfe wir uns entscheiden mögen.
Erneuerbare Rohstoffe und das Schaffen von bleibenden Werten für nachfolgende Generationen
sollten hier an erster Stelle stehen.
Darüber hinaus sind wir bestrebt, dass das Projekt „Plan Verde“ den internationalen Dialog findet
und in vielen weiteren vergleichbaren Gebieten zum Einsatz kommen kann.
Elke und Stephan Krüger
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